jena
Hallo Jena
Leider ist Ihr Erleben – und das Verhalten Ihrer Mutter – geradezu typisch bei einem Demenzverdacht.
Toll, dass eine fürsorgliche Nachbarin sowie die Spitex in der Situation sind; das ist ein guter Einstieg - auch wenn es für Sie wahrscheinlich ungenügende Begleitung ist, und Sie gerne mehr für Ihre Mutter machen würden.
Ihre Mutter möchte sich vielleicht nicht weiter abklären lassen, da sie selbst längst spürt, dass ihr die Kontrolle über ihr eigenes Leben, nach und nach entschwindet. Diese Verunsicherung Ihrer Mutter – und die daraus entstehende Angst, dass andere Menschen dies erkennen könnten, und sie deswegen nicht mehr ernst nehmen könnten, lässt sie vielleicht Ausweichstrategien anwenden, die ihr bekannt sind. («Nein, ich möchte nicht abklären, nein, ich möchte nicht ins Heim» oder ähnliches.) Eine völlig verständliche, normale Reaktion: Niemand wird gerne auf seine «Fehlleistungen» aufmerksam gemacht – insbesondere dann nicht, wenn Ihre Mutter dies ja nicht gewollt macht, es «passiert» einfach. (Gerne wüsste sie noch, wer sie am Morgen besucht hat.) Eine positive Einstellung einem Heimeintritt gegenüber bleibt allgemein äusserst selten – zu hoch ist der empfundene Selbständigkeitsverlust im Alltag, auch das ist «normal».
Damit Sie mit Ihrer Mutter in einem offenen Austausch bleiben können – und nicht in ein «Seilziehen, von wer hat recht» abgleiten – ist der erste Schritt das Anerkennen des Wunsches-Bedürfnisses Ihrer Mutter. Sie möchte sich nicht abklären lassen, sie möchte sich nicht blossstellen. Das ist so für sie. Wenn Sie diese Aussage, ohne wohlwollende Zusatzerklärungen oder beste Intentionen als diejenige Ihrer Mutter annehmen können, ist ein erster, wichtiger Schritt getan. Dadurch zeigen Sie Ihrer Mutter, dass Sie sie ernst nehmen und sich in sie hineinfühlen können; vielleicht können Sie die mit einem vermuteten schlechten Testresultat verbundenen unangenehmen Gefühle auch gleich benennen. Das vermittelt Ihrer Mutter, dass Sie als Tochter ihre eigene Situation verstehen können; es stärkt das gegenseitige Vertrauen – was für beide Seiten bereichernd ist.
Insofern es sich vielleicht um eine (vaskuläre) Demenz handeln könnte, sind die Bezugspersonen stark gefordert. Es ist neu und unerwartet, wenn Ihre Mutter «nicht mehr vernünftig» handelt. Damit ein Unterstützungsnetz aufgebaut werden kann – das ja zum Teil schon existiert, was sehr positiv ist – braucht es weniger Argumente wie «damit es Dir gutgeht» - sondern mehr zu verbinden, was im Leben Ihrer Mutter wichtig ist: Freut sich Ihre Mutter über Besuch, dann kann daraus ein «Besuchernetz für Tee und Kuchen» entstehen; das themenspezifische Infoblatt «Allein leben mit Demenz» IB_163_D_34_Alleinleben_mit_Demenz_2025_a.pdf gibt einige Ideen diesbezüglich.
Für regionale Unterstützungsangebote gibt es in den Sektionen vielfältige Möglichkeiten: Von Beratung über Entlastungsdienste – vielfach über das SRK – bis zu Weiterbildungen und Angehörigengesprächsgruppen gibt es verschiedene Ansätze. Hier finden Sie die Kontakte: Sektionen: Alzheimer Schweiz
Gerne sind wir auch telefonisch für Sie da, unter 058 058 80 00 an Werktagen von 8-12Uhr und von 13.30-17Uhr (Beratungstelefon Alzheimer Schweiz).
Alles Gute und liebe Grüsse
Agnes