Hallo Silvia
Bei uns hat's zwei Jahre gedauert, bis unsere Mutter zu einer Abklärung bereit war.
Zu Beginn haben wir Kinder ihr die Abklärung proaktiv als gemeinsames Unterfangen vorgeschlagen (die Abklärung beinhaltet auch Gespräche mit Angehörigen / nahestehenden Personen, nebst den medizinischen Untersuchungen). Dann schlug es eine andere Person aus dem weiteren Umfeld vor. Schliesslich hat sie uns informiert, sie habe die Idee gehabt, sich abklären zu lassen. Vermutlich haben die wiederholten Anstösse von verschiedenen Personen dazu beigetragen.
Was bestimmt nicht half, war die Konfrontation mit der vermuteten Alzheimer-Erkrankung. In der frühen Phase hatten wir (laut ihr) das Problem, nicht sie. Könnte ich das Rad der Zeit zurückdrehen, würde ich meine Ich-Botschaften noch stärker auf mich ummünzen (Bsp.: "Es würde toll, wenn Du mir helfen könntest, Antworten auf meine Fragen zu finden"). Ich habe anfangs stark gegen die Realitätsabweichungen angekämpft; jedes "Nein, mir hast du das nicht erzählt" führte nur zu Konflikten.
Ebenso würde ich mich viel früher auf ihre Realität und Perspektive einzustellen versuchen ("Die Welt spinnt, mit den anderen stimmt was nicht, mit mir ist alles in Ordnung").
Leider geigte es mit dem Hausarzt unserer Mutter nicht so, sonst hätte ich zuallerst diesen gebeten, im Rahmen einer "Routine-Untersuchung" einen Mini-Mental-Test, heute auch als Montreal Cognitive Assessment bekannt, mit ihr zu machen. Damit wären bestimmt schon Auffälligkeiten feststellbar gewesen und vom Arzt des Vertrauens hätte sie sich bestimmt bereitwilliger zur Abklärung aufbieten lassen als von ihren Kindern.
Ich wünsche Dir viel Kraft und viel Ausdauer und wenn Du Folgefragen hast, melde Dich gern, Jessica