Sorinda
Hallo Sorinda
Viele Familien erleben solch schwierige Momente rund um den Abschied nach einem Besuch im Heim.
Es ist diese Frage: Was soll ich ihr sagen, damit der Abschied leichter geht? Wie ehrlich kann ich mit ihr sein?
Validieren heisst, den anderen Menschen in seiner eigenen Realität, mit seinen Bedürfnissen und Wünschen «in diesem Moment» wahr- und anzunehmen. Seine Meinung gelten zu lassen. Was nicht bedeutet, dass der Wunsch auch gleich erfüllt werden muss. Im Beispiel Ihrer Mutter: Sie möchte mit Ihnen nach Hause gehen. Das dürfen Sie spiegeln, d.h. Sie sagen beispielsweise: «Ich sehe, dass Du gerne mit mir nach Hause kommen möchtest. Das glaube ich Dir. Es war Dir wohl dort.» Pause, geben Sie Ihrer Mutter Zeit, darauf zu antworten. Wahrscheinlich bestätigt Ihre Mutter den Wunsch. Sie bleiben ruhig und haken nach: «Wonach sehnst Du Dich denn am meisten? Ist es die Küche, in der Du viele gute Mahlzeiten zubereitet hast?» oder so ähnlich. Lassen Sie Ihre Mutter sprechen, beobachten Sie sie: Bemerken Sie, wie sich Ihre Mutter durch das erzählen der vielen schönen Momente, entspannt? Bestätigen Sie sie, sie ist eine gute Mutter, feines Essen war ihr immer sehr wichtig oder so ähnlich – es muss natürlich Ihrer eigenen Situation entsprechen.
Hilfreich kann sein, zu erwähnen, wie dankbar Sie sind für die gute Zeit, die Sie miteinander haben, vieles teilen usw. Miteinander ein Fotoalbum anschauen kann scheinbar vergessenes wieder aufleben lassen, gemeinsam über diese oder jene Situation zu lachen, ist meistens befreiend und entspannend. Danach würde ich Ihr kurz, klar und bestimmt sagen: «Jetzt ist es Zeit für mich, zu gehen; Du bist hier in guten Händen. Ich freue mich sehr, Dich bald wieder zu sehen». Wahrscheinlich wird Ihre Mutter wieder fragen: «Warum nimmst Du mich nicht mit?» und Sie bleiben ruhig, antworten kurz und klar: «Auch wenn ich Deinen Wunsch nachvollziehen kann, bin ich sehr froh darüber, dass Du hier gute Betreuung bekommst. Ich komme bald wieder!»
Eine andere Möglichkeit ist auch, das Personal vorgängig anzufragen, ob sie Sie beim Abschiednehmen unterstützen könnten. (Die Pflegeperson kommt zu gegebener Zeit, wickelt Ihre Mutter in ein Gespräch ein, schlägt ihr vor, gemeinsam in die Caféteria oder einen Spaziergang zu machen, ihre Hilfe für dies oder das zu brauchen oder sonst etwas Angepasstes, wenn möglich in einem anderen Raum – Sie verabschieden sich wie gewohnt und gehen weg.)
Ihre Mutter spürt sehr wohl, wenn Sie selbst «verlegen» werden und sich in Erklärungen winden, in der Suche nach Gründen des Heimverbleibs. Es ist immer eine Gratwanderung und mit viel abwägen verbunden: Was sage ich meiner Mutter kurz und klar, was muss ich jedoch nicht unbedingt sagen? Beim Thema «Ehrlichkeit» geht es darum, genau so wenig (oder soviel) zu sagen, wie Ihre Mutter auch aufnehmen, zu- und einordnen kann, in kurzen, klaren (einfach verständlichen) Sätzen. Den Rest, den dürfen Sie für sich behalten.
Gerne möchten Sie wahrscheinlich mit Ihrer Mutter viel mehr teilen, erklären – ihre Hirnfunktionen sind jedoch abnehmend und Gespräche brauchen Energie.
Weil diese Situationen sehr herausfordernd sind, gibt es Beratung, Angehörigengruppen und mancherorts auch Information/Weiterbildung betreffend Umgang. Die Sektionen Angebote Sektionen Alzheimer Schweiz sind telefonisch gut erreichbar; auch das Beratungstelefon von Alzheimer Schweiz steht Ihnen werktags, von 8-12Uhr und von 13.30-17Uhr unter 058 058 80 00 zur Verfügung.